Nie wieder kalte Finger beim Fotografieren – Erfahrungsbericht The HEAT Company

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Drei Monate in Schweden sind nun vorbei. In diesen drei Monaten hatten wir die Möglichkeit, Produkte von The Heat Company ausgiebig zu testen und wollen hier unsere Erfahrungen mit euch teilen.

Wie der Name schon andeutet, bietet die österreichische Firma The HEAT Company diverse Produkte an, welche warm halten oder Wärme liefern. Neben verschiedenen Handschuhen bieten sie auch Heizsohlen und Wärmepads an. Im Internet findet ihr sie unter: www.theheatcompany.com
Zu einigen Produkten wollen wir hier unsere Erfahrungen mit euch teilen. 🙂

Wer von uns Fotografen kennt das Problem nicht: die Finger sind schon so kalt, dass man kaum noch den Auslöser  betätigen, geschweige denn Einstellungen verändern kann. Kein schönes Gefühl! Warme Handschuhe sind allerdings häufig viel zu dick, die Kamera kann man dann leider auch nicht mehr vernünftig bedienen. Die Reise nach Lappland stand kurz bevor und wir standen vor einem Problem – wir hatten keine ordentlichen Handschuhe, würden aber den Großteil der Zeit – zu Forschungszwecken und natürlich zum Fotografieren – im Freien sein. Wir haben uns einige Gedanken gemacht und sind dann glücklicherweise auf die Handschuhe der Heat Company gestoßen.

Smart S Handschuh:

Unsere Erfahrung bezieht sich auf das Modell Heat 3 Smart: einen Fäustling- mit integriertem Fingerhandschuh. Er wurde ursprünglich als Spezialhandschuh für Sondereinsatzkommandos entwickelt – erfreut sich aber auch außerhalb seines ursprünglichen Einsatzgebiets großer Beliebtheit.
Dieses Modell gibt es in fünf verschiedenen Farben und in nahezu jeder Größe (auch kleine Hände finden hier die richtige Größe). Es gibt sogar eine Einteilung in Männer- und Frauengrößen, was insbesondere Jessi sehr angesprochen hat.

Die Handschuhe machen auf den ersten Blick einen sehr wertigen Eindruck. Die Fingerhandschuhe/Innenhandschuhe sind sehr angenehm zu tragen und bestehen aus einem elastischem Stoff. Diese haben eine angenehme Wärmeleistung und am Daumen und Zeigefinger befindet sich ein Silber-Textil, um Smartphones oder Kameras mit Touchdisplay bedienen zu können. Das Silber-Textil reicht bis zur Naht, welche an der Fingerkuppe liegt.

Die Innenseite und die Seiten des Fäustlings bestehen aus Ziegenleder, welches einen sicheren Griff bietet. Wir hatten nie das Gefühl, dass die Kamera aus der Hand rutschen könnte. Das Leder stammt aus kontrollierten und mehrfach besuchten Betrieben, in denen die Tiere nicht speziell des Leders wegen gezüchtet werden.Eine Primaloftschicht im Fäustling sorgt für zusätzliche Wärme. Außen ist der Handschuh mit einer wasserdichten, aber atmungsaktiven Membran versehen.

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Sowohl der Fäustling, wie auch der Daumen sind umklappbar. Der Fäustling kann durch einen wasserdichten Reißverschluss geöffnet und geschlossen werden, aufgeklappt bleibt er durch einen Magnetverschluss. Der Daumen ist auch umklappbar und lässt sich durch einen Klettverschluss fixieren.

Die Wärmeleistung bei umgeklappten Fäustling empfanden wir als sehr gut. Da wurde uns auch bei -10°C nicht kalt. Nur beim langen Ansitz kann es nach einiger Zeit frisch werden. Aber auch für solche Extremsituationen hat The Heat Company eine Lösung gefunden: ein zusätzliches Fach für ein Wärmepad an der Rückseite der Finger, ebenfalls mit einem wasserdichten Reißverschluss verschlossen.
Eine einfache und geniale Erfindung, die stundenlange Ansitze in der Kälte deutlich gemütlicher machen. Bei nasser Kälte um die 0°C war es teilweise mit dem Wärmepad schon zu warm im Handschuh, sodass Chris seine Handschuhe für einige Zeit ausziehen musste, um abzukühlen. 😉

Die Handschuhe sind ziemlich lang und gehen weit über die Handgelenke, was uns sehr angesprochen hat. Außerdem sind sie dort auch breit genug, dass man sie problemlos über die Jackenärmel ziehen kann – sie lassen sich aber auch enger ziehen (sogar direkt am Handgelenk und noch einmal über den Handgelenk am Ärmel). Zwischen Zeige-, Mittel- und Ringfinger sind außerdem Zughilfen angebracht, um beim Ausziehen besser aus dem Handschuh zu kommen. Das fanden wir erstmal ungewöhnlich, hat sich aber in der Praxis als extrem hilfreich und praktisch erwiesen.

Ein Gadget ist ein kleiner Karabinerhaken, mit dem man die Handschuhe zusammenschließen und zum Beispiel am Rucksack befestigen kann. Die Handschuhe werden mit einem abmontierbaren Fangriemen und einer elastischen Schlaufe geliefert, damit man sie nicht so leicht verlieren kann. Diesen haben wir aber gleich entfernt, da die Schlaufe für unser Einsatzgebiet eher störend war. Im Lieferumfang ist außerdem ein Pflegebalsam und ein kleiner Schwamm für das Leder dabei.

Allerdings hätten wir insbesondere für den Gebrauch als Fotohandschuhe noch ein paar Kritikpunkte und Verbesserungswünsche:

Die Innenhandschuhe sind leider nicht wasserdicht. Das ist für den Gebrauch im Fäustling völlig irelevant, wenn man jedoch längere Zeit bei widrigen Umständen wie zum Beispiel Schneeregen fotografiert, können die Innenhandschuhe nass und kalt werden. Wenn man dann den ganzen Tag im Feld ist, hat man keine Möglichkeit, diese wieder trocken zu bekommen. Ein weiterer Kritikpunkt an den Innenhandschuhen sind die Innennähte, die man an der Fingerspitze deutlich spürt und die die Empfindlichkeit einschränkt. Außerdem wäre es genial, wenn man den Innenhandschuh herausnehmen und ohne den Fäustling verwenden könnte. Denn im Verlauf eines Tages können die Temperaturen stark variieren – von knapp um den Gefrierpunkt zu deutlichen Minusgraden am Abend oder frühen Morgen – da wäre es super, wenn man die Innenhandschuhe für die wärmeren Temperaturen herausnehmen könnte.

Trägt man den geöffneten Handschuh, dann kann der Reißverschluss bei angewinkelter Hand an der Handaußenseite drücken (z.B. wenn man die Kamera hält). Auf Dauer kein schönes Gefühl. Durch eine andere Anordnung des Reißverschlusses könnte das aber behoben werden. Würde er schräger verlaufen oder etwas weiter in der Handinnenfläche liegen, sollte es deutlich angenehmer sein. Dieses Problem hatte Christoph so gut wie gar nicht, für Jessi war es jedoch ziemlich störend. Sie musste während ihrer Experimente die Handschuhe immer ausziehen, um in ihr Notizbuch zu schreiben, da der Reißverschluss das Schreiben unmöglich machte. Wir denken, dass das stark von der jeweiligen Handform und -größe abhängt. Wir konnten jedoch leider noch nicht ausprobieren, ob sich das Problem mit einer anderen Größe beheben lassen würde.

Wir würden uns wünschen, dass das Silber-Textil etwas weiter über die Fingerkuppe/den Nagel gehen würde, weil wir  häufig nur die Fingerspitze zur feinen Bedienung des Smartphones verwenden und die ganze Fingerkuppe zu ungenau ist. Das Tippen funktioniert allerdings trotzdem gut. Außerdem ist uns aufgefallen, dass das Silber-Textil schon nach drei Monaten im Gebrauch ein bisschen verblichen ist. Es funktioniert natürlich trotzdem noch einwandfrei, sieht nur nicht mehr so schön aus.

Des Weiteren wäre es toll, wenn der Daumen auch mit einem Magneten anstatt eines Klettverschlusses fixierbar wäre.

Zusammenfassend können wir sagen, dass wir die Handschuhe trotz der kleinen Verbessungsmöglichkeiten nicht missen wollen. Sie sind einfach toll! 🙂  Selbst bei -10°C waren die Handschuhe noch angenehm warm und lassen die Finger auch bei längeren Ansitzen nicht kalt werden. Das schönste Gefühl war immer, den Fäustling drüberzuziehen – da selbst gefühllose, durchgefrorene Hände innerhalb von wenigen Minuten (auch ohne Wärmepad) schön warm wurden. Außerdem sind sie durch die Primaloftschicht einfach unglaublich kuschelig. 🙂

Sie kosten derzeit 139,90 €, allerdings gibt es von The Heat Company immer wieder Aktionen.

UPDATE: Wir haben so eben erfahren, dass The HEAT Company bereits an einer neuen Generation der Heat 3 Handschuhe arbeitet, bei dem nahazu all unsere Wünsche in Erfüllung gehen werden! Wenn das mal keine positiven Nachrichten sind! 🙂 Der neue Handschuh soll schon bald auf dem Markt erscheinen. Es lohnt sich also, sie zum Beispiel auf ihrer Facebookseite The HEAT Company im Auge zu behalten. 🙂

Natursohle YUKON:

Die Korksohle bekommt von uns eine direkte Kaufempfehlung. Für den Wanderschuh war sie etwas eng, daher haben wir sie in unseren Neoprengummistiefeln genutzt. Was sollen wir sagen, wir sind restlos begeistert. Ohne irgendwelche Wärmepads ist die Wärmeleistung bei Bewegung sehr gut und sie isoliert super. Bei Temperaturen um 0-5°C hatten wir das Gefühl, ein kleines Kraftwerk arbeitet da unter unseren Füßen. Die Wärmeleistung ist wunderbar. Definitiv zu empfehlen, wenn genug Platz im Schuh ist.

Wärmer von The HEAT Company:

Anfangs waren wir sehr skeptisch gegenüber Einweg- und sozusagen „Wegwerfprodukten“. Allerdings sind die Wärmer von The HEAT Company alle aus 100 % natürlichen, ungiftigen Inhaltsstoffen hergestellt und können im Hausmüll/Restmüll entsorgt werden. Sie bestehen aus Vermikuliten (weichen Tonmineralien, die auch für Katzenstreu und Bodendünger eingesetzt werden) und Aktivkohle.
Ein weiterer Vorteil ist, dass sie meist für eine lange Zeit Wärme abgeben und die Reaktion durch luftdichtes Verpacken gestoppt und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden kann. Jeder Bestellung liegt außerdem ein Druckverschlussbeutel zum luftdichten Verpacken bei. Dadurch kann man die Wärmer auch sparsam verwenden und sich die Wärmeleistung einteilen.

Handwärmer:

Wenn die Temperaturen unter 0°C fallen und man als Naturfotograf längere Zeit draußen in der Kälte verbringt ist es schön, wenn man seine Finger aufwärmen kann. Die Handwärmer leisten ihren Dienst und bieten eine äußerst angenehme Wärme. Es sind kleine Säckchen (je 2 in einer Packung), die man optimal in das dafür vorhergesehene Fach der HEAT Company Handschuhe stecken kann. Allerdings machen sie sich auch in der Jackentasche sehr gut. Sehr zu empfehlen. 🙂

Rückenwärmer:

IMG_1083Die Rückenwärmer sind groß und warm. Man klebt sie auf die unterste Bekleidungsschicht, wo sie viele Stunden eine sehr angenehme Wärme abgeben. Und die Angabe mit den 18 Stunden stimmt – sie halten über diesen Zeitraum wirklich eine (gefühlt) konstante Temperatur. Sollte man nur ein paar Stunden in der Kälte sein, kann man sie einfach wieder luftdicht verpacken und beim nächsten Kontakt mit Sauerstoff kommt die Wärmeleistung zurück. Definitiv eine Kaufempfehlung.

Fußwärmer:

Die Fußwärmer haben uns leider nicht wirklich überzeugt. Wie alle Wärmer arbeiten Sie nur, wenn genug Sauerstoff an sie gelangt. Sie werden also durch Sauerstoff aktiviert und müssen erst einmal für wenige Minuten „vorheizen“, bevor man sie auf den Socken klebt. Aber scheinbar haben sie auch nach langem Aktivieren (3 bis 20 Minuten) in unseren Schuhen (Wanderschuhen und Neoprengummistiefeln) nicht genug Sauerstoff bekommen. Sie waren zwar nicht kalt, aber warm wurde es auch nicht wirklich. Zog man den Schuh aus, wurden sie dann direkt warm. Für kalte Nächte im Schlafsack also durchaus eine Empfehlung. Wir sind etwas zwiegespalten, daher solltet ihr dieses Produkt erst einmal ausprobieren, bevor ihr größere Mengen davon kauft.

Die Kombination der verschiedensten Produkte lässt den Winter und lange Ansitze in der Kälte deutlich angenehmer gestalten. Wir sind froh, die Produkte testen zu dürfen und gespannt, was The Heat Company in Zukunft noch auf den Markt bringen wird. 🙂

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Update

Das neue Layer-System von The HEAT Company.

Gegen Ende des Winters durften wir auch das neue Layersystem testen.
Wir haben den Unterziehandschuh Tactility Liner, sowie das Shell-Smart und das Polarhood bekommen und ausprobiert.

Der Unterhandschuh (Tactility Liner) ist jetzt nicht mehr fest mit dem Shell verbunden und fühlt sich deutlich besser an. Wir haben das Gefühl, dass er etwas dicker ist, als noch beim Heat3 Handschuh. Außerdem ist neben Daumen und Zeigefinger auch der Mittelfinger mit dem Silbertextil zur Smartphone-Bedienbarkeit versehen. Es klappt alles wunderbar!

Der Außenhandschuhe (Smart Shell) hat sich etwas verändert. Der Magnet zum Umklappen des Handschuhes ist jetzt vernäht und nicht mehr sichtbar. Bei Chris hat das wunderbar gepasst. Jessi’s Shell hingegen hat sich bei Bewegung wieder zurückgeklappt. Seit dem sie das Shell dann gegen eine größere Größe umgetauscht hat, funktioniert der Mechanismus wieder einwandfrei. Bei dem kleineren Shell soll ab nächster Saison ein stärkerer Magnet verarbeitet werden. Außerdem befindet sich jetzt auch am Daumen ein Magnet und kein Klettverschluss.

Es ist sehr praktisch, dass der Tactility Liner jetzt auch unabhängig vom Shell getragen werden kann. Das ist wirklich eine tolle Weiterentwicklung und ein großer Schritt in Richtung des perfekten Fotohandschuhs.
In unseren Breiten ist es oft einfach zu warm für beide Schichten, außerdem kann man den Außenhandschuh einfach schnell ausziehen, wenn etwas mehr Fingerspitzengefühl gefragt ist. Wir hatten auch keine Probleme, dass die Kamera aus der Hand gleiten könnte. Es war griffig und alle Tasten konnten gut bedient werden.

Der Tactility Liner ist zwar nicht Waschmaschinen geeignet, das habe ich allerdings zu spät gelesen und sie in die Waschmaschine gesteckt. Sie haben es wunderbar überstanden. ☺

Für wirklich extreme Bedingungen gibt es noch das Polarhood, ein weiterer Außenhandschuh, der über den beiden unteren Schichten getragen werden kann. Es schützt vor Wind und Wetter. Wir konnten es noch nicht einsetzen, da wir minimal minus 10°C hatten und die beiden unteren Schichten ausreichend gewärmt haben. Gerade in windgeplagten, eisigen Gebieten können wir uns den Einsatz aber sehr gut vorstellen.

Die anderen Liner und das Leder-Shell werden wir auch noch für euch testen.
Dafür wird es dann einen eigenen Blogeintrag geben. ☺