Falklandinseln Teil I

 

Noch während unseres Bachelors fragten uns unsere Betreuer, ob wir nicht Lust hätten, für sie in den Süden zu fliegen um dort ein bisschen Feldarbeit zu erledigen. Klar dachte ich, ein paar Proben in Italien zu nehmen ist doch nett. Wie weit es aber dann in den Süden gehen sollte, übertraf meine Vorstellungskraft. Unser Betreuer lachte und meinte, dass es zwar nicht ganz in die Antarktis (wo sie einen lieben Kommilitonen von uns hinschickten) gehen solle, aber doch sehr weit in den Süden.

Nicht minder schön als die Antarktis war unser Reiseziel eine kleine Insel der Falklandinseln. Von November bis März 2013/2014 sollten Jessi und ich auf New Island, einer Insel ganz im Westen des Archipels, Proben nehmen.

Wir kauften uns Bücher, überdachte nochmal unser Fotoequipment und mussten glücklicherweise nicht mit dem Gepäck sparen, weil wir dank eines Wissenschaftlerbonus mit der Royal Airforce direkt von England runter auf die Falklands fliegen konnten. Handgepäck war auf 20kg limitiert und unsere Koffer durften bis 54kg wiegen. Neben dem Kamerakram packten wir aber auch noch einige Lebensmittel (für zwei Vegetarier auf einer einsamen Insel), jede Menge winddichte Kleidung und Medikamente ein.

Wir starteten unsere Reise mit Jessis kleinem C-Corsa und machten uns erstmal auf Richtung Holland um von dort mit der Fähre nach England zu übersetzen. Ein starker Sturm machte die Überfahrt recht ungemütlich und ich bekam fast kein Auge zu, Jessi hingegen schlief dank der Reisetablette friedlich, obwohl sie mit jeder Welle die Bettseite wechselte…

Wir hatten noch ein paar tolle Tage in England und zu unserer Zeit in Großbritannien werde ich noch einen eigenen Reisebericht schreiben.

Am Militärflughafen wurden wir zwar von Maschinengewehren empfangen, trotzdem waren alle Soldaten und Mitarbeiter super freundlich, wahrscheinlich sah man uns aber die Aufregung an.

Jetzt hieß es Abschied nehmen, vom Corsa. Jessi fiel das sehr schwer, denn der kleine Wagen machte schon einige Probleme und es war nicht sicher, ob er die lange Zeit auf dem dunklen Parkplatz überstehen würde. „Bis in 5 Monaten!“ dachten wir uns und klemmten die Batterie ab. Das Einchecken verlief ohne Probleme und als ich das Schild sah, dass man keine Autoteile mit ins Handgepäck nehmen soll legte sich die Angst, dass mein Rucksack mit dem Kamerakram nicht durch die Kontrolle käme. 😀 Gewogen wurde eigentlich nichts von unserem Gepäck, nur Jessis Rucksack da er verdächtige Ausbeulungen von Objektiven hatte. 😛

Nach langem Warten im Terminal durften wir dann endlich den Flieger betreten. Wir hatten schon Horrorgeschichten von ungemütlichen und alten Flugzeugen der RAF und sehr militärischem Ambiente gehört und wurden überrascht: Ein brandneuer A330 wartete auf uns.

Der Flieger war leer, jeder Passagier hatte mindestens vier Sitzplätze für sich. 🙂
Nach 8 Stunden Flug wird auf einer kleinen Tropeninsel namens Ascension Island zwischengestoppt um zu tanken.

Zu Ascension wird es einen eigenen Reisebericht geben.

Wir nutzten die Gelegenheit und stiegen erst eine Woche später wieder in den Flieger Richtung Falklandinseln.

IMG_0670
Auf den Falklandinseln angekommen standen wir erst einmal auf dem Rollfeld. Das Flugzeug ist zu weit gefahren und musste zurückgeschoben werden. Tja, wir saßen noch fast eine Stunde im Flugzeug, weil zwei von drei der dafür benötigten Fahrzeuge nacheinander kaputt gingen.

Es klappte dann doch noch und wir bekamen auch alle unserer Gepäckstücke (Wäre auch ein Wunder wenn da etwas schief gelaufen wäre) und machten uns auf den Weg zu unserem bestellten Taxi, nur das kam nicht… So langsam wurde es immer leerer und die Soldaten beäugten uns misstrauisch. Sie wollen jetzt den Flughafen schließen, meinten sie. Denn hier kommt nur zwei Mal die Woche ein Flugzeug an. Nach knapp zwei Stunden Wartezeit kam dann endlich ein Ersatztaxi ( der Flughafen liegt im Militärgebiet und 45min von der Hauptstadt Stanley und auch der einzigen Stadt der Falklands entfernt). Die Fahrerin war recht unfreundlich und wollte unsere Notlage noch missbrauchen und verlangte 90 Pfund statt der vereinbarten 32 Pfund. Solltet ihr mal auf die Falklands fliegen und braucht ein Taxi, dann schreibt mich an. Ich kann euch helfen, wen ihr nicht buchen solltet und vor allem, wen ihr buchen solltet! 😉 Hier zahlt man übrigens mit britischen Pfund und es gibt sogar eine eigene Währung, das Falklandpfund. Mit Pinguinen drauf! 🙂

Am Abend schlenderten wir nochmal durch die Stadt und konnten dort schon einige Tiere sehen, darunter meine ersten Delfine! Am nächsten Morgen brachen wir auf um endlich unsere ersten Pinguine zu sehen. Nach ca. einer Stunde kamen bei Gypsy Cove an. Magellangänse begrüßten uns und auch eine Falklanddrossel kannte keine Scheu. An einem kleinen Wassergraben entdeckten wir eine Magellanschnepfe, die ebenfalls überhaupt nicht scheu war. Wie man auf den Fotos sieht, zeigten sich die Falklandinseln wettermäßig gleich von ihrer besten Seite – dunkelgrauer Himmel und 60km/h Windgeschwindigkeit). 😉

IMG_0689

IMG_0701

IMG_0747

Hier ein kleines Suchbild. 😉

Und endlich, recht weit weg tauchte unten am Strand ein Magellanpinguin auf!!! Ein Traum wurde war, endlich mal einen Pinguin in freier Wildnis zu sehen. Wir warteten nicht lange und der Pinguin kam immer näher bis er plötzlich vor uns stand. Wir freuten uns riesig und konnten nach einer Weile immer mehr Pinguine sehen. Später entdeckten wir an einem Fels noch Felsenkormorane und Nachtreiher.

IMG_0839

Wir waren eine Woche früher als unser Chef auf den Falklands, denn wir wollten noch ein wenig Urlaub machen. Wir fuhren für drei Tage an den Volunteer Point, um dort Königspinguine zu sehen und zu fotografieren.

IMG_0739

Die Gegend ist einmalig schön – ein kilometerlanger, weißer Sandstrand mit türkisfarbenen Meer. Pinguine gibt es en masse und außerdem einen wunderbaren ersten Eindruck der Falklands.

IMG_0726

IMG_1089

IMG_0862

FX8G9571

Es war schon ziemlich windig, aber dass das für die Falklands nur ein laues Lüftchen war, durften wir am nächsten Morgen erfahren.  Ein Sturm zog über das Gebiet und der Sand fegte über den Strand. Erst verkrochen wir uns in einem kleinen Unterstand, aber wir wollten diese einmalige Gelegenheit nutzen und wagten uns raus in den Sturm. Das Equipment litt sehr unter dem feinen Sand und musste nach dem Urlaub erst mal von Canon gereinigt werden. 😛 Mit 80km/h wirbelte der Sand auf und das bisschen Haut, was unter der Mütze noch herauslugte, musste ziemlich leiden.

FX8G2312

FX8G2250

Die Pinguine jedoch beirrte das Wetter nicht und sie watschelten nach wie vor am Strand entlang. Durch den Sturm musste ein Northern Giant Petrel am Stand notlanden und verhalf uns zu einem weiteren tollen Motiv. 🙂

FX8G1417

FX8G2552

Der nächste Tag war wieder besser und das Wetter hatte sich beruhigt. Die Sonne schien und das war den kleinen Pinguinen zu warm. Sie setzten sich zum Abkühlen in eine Matschpfütze, in der sie regelmäßig stecken blieben. Daher der Gesichtsausdruck. 😀

Der Kleine wollte zum Abkühlen in den Matsch, kam dann aber nicht mehr raus. Sichtlich genervt saß er dann noch 5 Minuten darin, bis er sich rauskämpfte

Morgens und am Abend werden sie spätestens vom Warden herausgezogen, was für ein Job! Am Abend entdeckten wir dann noch eine Schleiereule in den Bäumen um die Unterkunft. 🙂

FX8G2996

Das wars erstmal mit dem ersten Teil. Bald geht es dann weiter nach New Island. 😉

Viele Grüße,
Chris